[Jakobsweg x2] „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling und „Dein Weg“

Jul 17, 2015 | 5 von 5, Bücher, Highlights, Rezensionen | 0 Kommentare

Ich lese normalerweise nicht viele Sachbücher, Biografien oder wie auch immer man „Ich bin dann mal weg“ einsortieren mag. Da muss dann schon das Thema und der Autor super zusammen passen, und es muss mich von Anfang an fesseln. Sonst langweilen mich Sachbücher schnell.

Es ist keine Frage der Zeit, wo man sich zu Hause fühlt.

„Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, lief zu Fuß zum Grab des heiligen Jakob – über 600 Kilometer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela – und erlebte die reinigende Kraft der Pilgerreise. Ein außergewöhnliches Buch voller Witz, Weisheit und Wärme, ein ehrlicher Bericht über die Suche nach Gott und sich selbst und den unschätzbaren Wert des Wanderns.“

Dieses Buch kitzelt mich schon am Lesegaumen, seit es 2007 erschienen war und so gehypt wurde. Aber gerade der Hype hat mich dann auch wieder abgeschreckt. Ich mag Hape Kerkeling, er ist sympathisch, lustig, und ein toller Entertainer. Aber genau das sollte/wollte „Ich bin dann mal weg“ ja alles nicht sein. Ich wusste nicht was mich erwarten würde, deswegen lag das kleine Buch lange ungelesen in meinem Bücherregal.

„Hörst du das?“ will sie entsetzt von mir wissen. „Die Geister! Hörst du sie denn nicht?“ Warum treffe ich eigentlich immer die Bekloppten?

Dann habe ich Anfang des Jahres den Film „Dein Weg“ auf Amazon Prime angesehen. Eher durch Zufall, weil er gerade beworben wurde als ich Langweile hatte, und bei Martin Sheen kann man ja nicht viel falsch machen.

„Tom Avery ist ein erfolgreicher Augenarzt aus Kalifornien. Sein Leben abseits der Arbeit beschränkt sich auf Golfspielen im Country Club. Erst ein schicksalhafter Anruf verändert alles: Toms erwachsener Sohn Daniel ist auf dem Jakobsweg ums Leben gekommen. Im Gegensatz zu seinem Vater hielt es Daniel nie lange an einem Ort aus, ein Nomade, immer bereit Neues zu entdecken und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Um seinen Sohn nun auf seiner letzten Reise zurück nach Hause zu begleiten, setzt sich Tom in das nächste Flugzeug nach Spanien. Wie soll er die Trauer um seinen Sohn verkraften und warum hatte dieser mystische Ort solch eine unerklärliche Anziehungskraft auf seinen Sohn? Tom begibt sich selbst auf die Suche nach Antworten und er ahnt auch, wo er diese finden wird: entlang des Camino. Ein Unterfangen, in das sich der Einzelgänger zunächst alleine stürzt, nur um schon bald von einer kleinen Truppe schillernder Mitpilger begleitet – und genervt – zu werden.“

Der Film hat mich echt berührt. Nicht nur Martin Sheen zeigt alle Facetten seines Schauspieltalents, auch die „Nebendarsteller“ sind stark. Die Geschichte ist nicht zu spirituell, sondern regt auch „ungläubige“ wie mich zum Nachdenken an. Tom Avery, also Martin Sheens Charakter, beendet die Pilgerreise seines Sohnes, indem er seine Asche den Camino (also den Jakobsweg) entlang trägt. Der Camino ist eigentlich alleine schon Herausforderung genug, aber ihn mit so einer Last zu begehen verleiht dem ganzen nochmal eine ganz andere Schwere.

Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Restlos. Und er baut dich wieder auf. Gründlich.

Wer bei der Beschreibung glaubt, dass alles irgendwie ins Lächerliche gezogen wird, dem sei versichert dass das nicht so ist. Es wird viel Respekt gezeigt, dem Camino, dem Pilgern und vor allem den Pilgern gegenüber. Ich empfehle den Film jedem, egal ob Camino-interessiert oder nicht, denn man kann von „Dein Weg“ viel mitnehmen.

Genau das Gleiche kann ich auch über „Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg“ von Hape Kerkeling. Natürlich ist es etwas lustiger, schließlich ist es Hape Kerkeling und er geht den Camino aus ganz anderen Gründen. Er sieht viele Situationen und Begegnungen auch einfach aus den Augen eines Entertainers, und beschreibt manche Figuren und Situationen so, dass man fast gar nicht glauben kann das er sie wirklich so erlebt hat. Aber irgendwie muss man es am Ende doch glauben, denn so schräge Figuren kann sich doch niemand ausdenken.

Lauf einfach weiter, Dicker! Es wird schon gehen.

Aber kauft euch das Buch nicht, und denkt es ist ein Comedy Buch vom Entertainer Hape Kerkeling. Weil das ist es nicht. Viele bewerten „Ich bin dann mal weg“ schlecht, weil es nicht lustig oder nicht lustig genug ist. Aber das will es doch auch gar nicht sein.

Hape geht den Camino nicht als Entertainer. Er erzählt auch erst ziemlich am Ende und gezwungenermaßen seinen Mit-Pilgern wer er ist und was er beruflich macht. Denn von Anfang an ist Hape nur ein Pilger wie viele andere auf der Suche nach Antworten. Darüber sollte man sich bewusst sein, bevor man das Buch schlecht bewertet.

Noch nie in meinem Leben war ich bisher so lange alleine und das, was mir noch vor ein paar Tagen am Alleinsein gefallen hat, geht mir langsam gehörig auf den Keks.

Mir hat es gut gefallen, weil Hape im Buch so sympathisch ist wie im Fernsehen. Im Buch ist er ehrlich, über die Mitpilger, die Situationen in den Städten und Herbergen, und darüber dass er auch mal in schicken Hotels übernachtet und Teile der Wanderung mit dem Zug oder per Anhalter zurück legt. Er ist selbst nicht sehr spirituell und damit hält er auch nicht hinterm Berg, glaubt aber irgendwo doch an einen Gott. Er sieht den Camino aus einem etwas anderen Blickwinkel, als der „typische“ Pilger. Man sollte sich dem Hype hingeben, und „Ich bin dann mal weg“ wirklich mal gelesene haben. Es ist auf jeden Fall eines der besten Bücher über den Camino, das ich bis jetzt in der Hand hatte.

Ja, ich mute mir allerdings zu viel zu, aber ich werde einen Teufel tun, das in Gegenwart zweier stinkender Schafe zuzugeben.

Ich habe im Buch jetzt zwar keine Antworten für mich selber gefunden, oder verspüren den Drang die unbedingt selbst auf dem Camino suchen zu gehen. Aber vielleicht wollte Hape das ja auch gar nicht. „Ich bin dann mal weg“ ist ein ehrliches Tagebuch eines sympathischen Pilgers, der einen auch auf der Suche nach Antworten zum Lachen bringt.

Im Film der im Dezember 2015 erscheinen soll, pilgert Devid Striesow als Hape Kerkeling und trifft u.a. auf Anette Frier, klingt leider irgendwie nach Komödie

Im Film der im Dezember 2015 erscheinen soll, pilgert Devid Striesow als Hape Kerkeling und trifft u.a. auf Anette Frier, klingt leider irgendwie nach Komödie

Ich freu mich schon mal auf den Film, der im Dezember herauskommen soll, erwarte aber leider schon, dass der viel zu sehr ins Komische gezogen wird und das was das Buch ausmacht verliert. Aber wir werden sehen.

Courage! Wofür brauche ich Mut? Wenn ich das W in Wut einfach umdrehe, wird ein M daraus und Wut wird zu Mut. Kann ich Wut in Mut verwandeln?“

Trailer zu „Dein Weg“:[youtube https://www.youtube.com/watch?v=Y5yt1Va2g-s]

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Meine Bewertung: 5/5

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