Aber das machen Menschen doch. Sie gehen fort, um zurückkehren zu können.
Als Annie an einem Sommermorgen einen Umschlag ohne Absender aus dem Briefkasten holt, ahnt sie nicht, dass das darin steckende Foto ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln wird. Eine glückliche Ehe, drei wohlgeratene Kinder, Annies kleiner Laden – all das steht auf einmal auf dem Spiel.
Das Foto, so mutmaßt Annie, kann ihr nur Patrick geschickt haben, wer sonst? Patrick – zwanzig Jahre lang hat Annie jenen Winter in London verdrängt, in dem sie sich Hals über Kopf in eine Affäre mit dem charismatischen Fotografen stürzte. Und ausgerechnet jetzt, wo ihr ältester Sohn Robbie nach einem Autounfall im Koma liegt und nichts mehr ist, wie es war, muss Annie sich den Erinnerungen an ihre turbulenten Jugendjahre stellen, um ihre Ehe – und ihre Familie – zu retten.“

Der Klappentext von „Das Jahr in dem ich zwanzig wurde“ verspricht leider viel, das die Geschichte selber leider nicht halten kann. Es geht nicht wirklich um das Foto, nicht wirklich um Patrick den charmanten Fotografen, oder Annies Winter in London. Es geht vor allem um Annie, die damals zwanzig war, und jetzt eine Erwachsene Familienmutter ist, sich aber wie eine zwanzigjährige verhält.

Alles eigentlich kein Problem, denn mit dem Hintergrund einer Reise von London über Paris nach San Francisco und einer starken Annie hätte es so ein tolles Buch sein können. Doch leider ist Annie alles andere als stark, und „Das Jahr in dem ich zwanzig wurde“ hat viel Potenzial zu Stärke, schöpft dieses aber in keinster Weise aus.

Wenn eine Mutter nur so glücklich ist wie ihr am wenigsten glücklichstes Kind, dann begannen an jenem Tag die unglücklichsten Tage meines Lebens.

Das fängt damit an, dass man sich als Leser in die Perspektive des im Koma liegenden Sohnes einfinden muss, der von seiner Mutter (in Du-Form) alle Details aus ihrem Liebesleben erzählt bekommt. Das ist erstmal ungewöhnlich, manchmal dann auch recht unangenehm.

Was den Lesefluss gerade am Anfang am meisten stört, sind die vielen unangekündigten und unerwarteten Zeitsprünge von Kapitel zu Kapitel. Mehr als einmal musste ich zurück blättern um zu sehen wo und wann wir gerade sind, und auch mehr als einmal merkte ich den Sprung in Ort und Zeit erst nach ein paar Seiten in dem neuen Kapitel. Ein kleiner Hinweis, vielleicht Ort und Jahreszahl am Kapitelanfang hätten hier bestimmt nicht geschadet.

Es ist nicht immer klug zu glauben, das eigene Leben sei noch dasselbe, nur weil die Welt unverändert scheint.
Das englische Cover. Ich finde das Deutsche schöner, auch wenn es eigentlich nicht zur Geschichte passt.

Das englische Cover. Ich finde das Deutsche schöner, auch wenn es eigentlich nicht zur Geschichte passt.

Das sind jedoch beides Dinge, an die man sich nach den ersten hundert Seiten gewöhnt hat, und über die man hinweg sehen kann. Ein großes Problem ist jedoch eine Hauptfigur, die ihre Geschichte erzählt, und in die man sich als Leser überhaupt nicht hineinversetzen kann. Im Gegenteil, sie wurde mir zum Ende hin von Seite zu Seite unsympathischer. Ihr naive Art, egal ob mit 20 oder 40plus, ist echt unfassbar. Manchmal hätte ich echt gerne ins Buch gegriffen und sie mal wachgerüttelt und gefragt was sie da eigentlich macht. Die anderen Figuren fingen mir immer wieder an leid zu tun, wegen den Dingen die Annie über sie erzählt, oder die Art und Weise wie sie sie darstellt.

Ich frage mich, ob mir die Geschichte besser gefallen hätte, wenn sie einer der anderen Charakteren erzählt hätte. Denn auf Annies Perspektive hätte ich gerne verzichtet, auf die Geschichte selber aber nicht. Ihre Reise ist bewegend, wenn auch stellenweise etwas unrealistisch und schwammig. Ich konnte mich in den Straßen von London und Paris verlieren, auch wenn Annie dabei war.

Direkt empfehlen würde ich das Buch wahrscheinlich nur, wenn ihr genauso wie ich immer Fernweh nach London oder Paris habt, und über die Schwächen des Buches hinwegsehen könnt. Wegen der vielen Schwächen, gibt es von mir leider nur 3 von 5 Punkten.

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Meine Bewertung: 3/5

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