Es gibt zwei Geschichten für jedes Leben – die wahre Geschichte und die Version, die von anderen erzählt wird.

Was, wenn das Ende gar nicht das Ende ist?

Es ist ein Abend im Herbst, als bei Tess Rafferty in der kleinen Stadt Coldwater am Lake Michigan das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung hört Tess die Stimme ihrer Mutter – und lässt vor Schreck den Hörer fallen. Ihre Mutter ist seit vier Jahren tot … Und Tess bleibt nicht die einzige; auch andere Bewohner erhalten Anrufe von Verstorbenen. Schnell ist die Rede von einem Wunder, und Coldwater rückt in den Fokus der Medien. Immer mehr Menschen glauben an die Anrufe aus dem Himmel. Nur einer nicht: der Pilot Sully Harding ist entschlossen zu beweisen, dass alles ein riesiger Schwindel ist. Aber ist es das? Oder existiert das Wunder von Coldwater wirklich?

In „Das Wunder von Coldwater“ gibt es viele Geschichten. Die der Frau, welche die Stimme ihrer verlorenen Schwester und einzigen Seelenverwandten wieder hören kann. Die der Tochter, welche die Vergebung der verstorbenen Mutter sucht. Die des Sohnes, welcher die Stimme der verlorenen Mutter gerne hören würden. Und die des Vaters, der seinen Sohn vor der Enttäuschung bewahren will, dass das Wunder nicht ganz verspricht was es hält.

Coldwater, Michigan by Wystan

Coldwater, Michigan by Wystan

Ich bin selber nicht gläubig, fand die Idee des Buches aber interessant. Wie würde die Menschheit mit so einem Phänomen umgehen? Video-Beweise auf YouTube, 24-Stunden Live Übertragung auf News Kanälen, Plakat-Werbung für das Handy mit dem man mit dem Himmel telefonieren kann, Pilgerreisen in die Kleinstadt in der es angefangen hat… all das gehört in unserer heutigen Zeit dazu, und wurde im Buch sehr real dargestellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Welt so auf das „Wunder“ reagieren würde. Natürlich werden auch Protestdemos und Kritiker nicht vergessen. Da hört meine Lobrede auf das Buch dann aber leider auch schon auf.

Ob real oder eingebildet – in dieser kleinen Stadt im Mittelwesten hat sich jedenfalls in diesem Herbst vieles verändert. Doch was genau geschieht hier?

In einer kleinen Stadt wie Coldwater leben nicht so viele Menschen. Da scheint es sich der Autor zur Aufgabe gemacht zu haben, jedem einzelnen einen Platz in der Geschichte zu geben. Die Figuren sind aber nicht ausgefleischt genug, und auch für die einzelnen Schicksale der verstorbenen konnte ich mich, so wie sie rübergebracht wurden, nur bedingt interessieren.

Zwischen den vielen wechseln der Hauptfiguren und den Zeitsprüngen ging es mir irgendwann so, dass ich die Erzähler nicht mehr auseinander halten konnte, Namen waren Schall und Rauch. Mehrmals habe ich richtig den Faden verloren. Das ist bei einem Buch wie diesem echt frustrierend, weil man immer das Gefühlt hat, jedes Detail könnte wichtig sein. So liest man manche Seiten 2,3 oder 4-Mal, bis man wieder weiß wo, wann und mit wem man gerade unterwegs ist.

Das Ende ist nicht das Ende.

Dazu kamen noch Passagen, in denen über die Geschichte des Telefons philosophiert wurde. Über Alexander Graham Bell, seine Erfindungen, Freunde, Patente etc… Das mag zwar eine ganz interessante Geschichte sein, aber viele Details wurden immer und immer wiederholt, und ich glaube ich kann ohne zu Spoilern sagen, dass diese Geschichtsstunden nichts zur Geschichte beitrugen, und einfach nur überflüssig waren.

Coldwater is close to Lake Michigan - pic by Light Brigading

Coldwater is close to Lake Michigan – pic by Light Brigading

Generell schienen viele Dinge überflüssig, und andere Informationen die für die Auflösung am Ende wichtig gewesen wären, wurden weggelassen. Als Leser ist man eben einfach enttäuscht, wenn man versucht mit dem Ermittler das Wunder aufzulösen, der Täter aber kaum im Buch auftaucht und keine Hinweise auf ihn zeigen. Ich weiß, „Das Wunder von Coldwater“ ist kein Krimi und vielleicht ging es auch nicht um die Auflösung, aber ich hatte so einfach ein komisches Gefühl am Ende.

„Als sich die Aufregung ein wenig legte, ragten sieben Bürger von Coldwater wie hohe Gräser auf einem Feld aus der Menge auf – sieben Bürger, die behaupteten, etwas erlebt zu haben, was zuvor unvorstellbar gewesen war: ein Gespräch mit dem Himmel.“

Fazit: Die Idee war gut, die Integration in unsere heutige Zeit auch, der Rest der Umsetzung war aber einfach nichts für mich. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich überhaupt nicht gläubig bin, und das Buch als einen Thriller gelesen habe, bei dem ich die Lösung finden musste/wollte. Wenn jemand an die Geschichte und das Wunder aber anders herangeht, kann man „Das Wunder von Coldwater“ durchaus weiterempfehlen.

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Meine Bewertung: 2/5

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