„Lost Places“ ist ein Begriff, der mittlerweile auch in Deutschland sozusagen „eingedeutscht“ wurde. Laut Wikipedia bezeichnet er „vergessene Orte“. Doch so vergessen sind diese Orte gar nicht. So hat jeder bestimmt schon mal von den verlassenen Beelitzer Heilstätten gehört, oder viele haben den Galileo Beitrag über die „geheime“ Abhörstation der NSA auf dem Teufelsberg bei Berlin gesehen.

So „vergessen“ oder „verlassen“ sind die meisten Lost Places aber gar nicht mehr. Bei der Flut an Blogs, Büchern und Fernsehbeiträgen über Lost Places könnte man meinen, dass sich Kameraleute, Fotografen und Journalisten überall gegenseitig auf die Füße treten müssten. Aber ich bin da ganz ehrlich, ich kann bei „Lost Places“ auch einfach nicht widerstehen. Ich verfolge die Blogs, ich stelle mir den Wecker für Galileo und ich kaufe die Bücher…

Nicht dass ich selbst mal irgendwo mit Helm und Mundschutz durch den Dreck krabbeln wollen würde, ganz im Gegenteil, ich bin froh dass andere das übernehmen. Aber fasziniert bin ich von solchen Orten einfach trotzdem. Wie geraten solche Orte in Vergessenheit? Was waren das für Menschen, die einfach alle stehen und liegen gelassen haben um dann nie wieder zurück zu kehren? Und wieso?

Weil sich „Bilderbücher“ nicht so richtig rezensieren lassen, möchte ich euch heute einfach drei Empfehlungen von mir ganz kurz vorstellen. Damit ihr wisst wo ihr anfangen könnt, falls euch „Lost Places“ auch interessieren.

Hoeckers Entdeckungen | Riva Verlag | GoodReads | LovelyBooks | Amazon.de

Ich weiß nicht mehr ob es im Buch stand, oder ob ich es so irgendwo gelesen habe, aber Bernhard Bernhard Hoecker und seine beiden Mit-Autoren Erik Haffner und Tobias Zimmermann sind durchs Geocachen auf die ersten Lost Places gestoßen und konnten seit dem mit dem „Urban Exploring“ wohl nicht mehr aufhören.

Das Buch ist wohl schon etwas länger auf dem Markt, ich habe es aber erst vor ein paar Wochen entdeckt und muss dazu sagen: es ist kein „Must-Have“ oder eine „unbedingt kaufen“ Empfehlung. Es hält nämlich was es im Untertitel „Ein merkwürdiges Bilderbuch längst vergessener Orte“ verspricht: es ist merkwürdig.

hoeckers-merkwürdiges-bilderbuchBernhard Hoeckers Humor hat etwas ganz eigenes an sich. Entweder man findet ihn lustig, oder man kann so gar nichts damit anfangen. Wenn ihr zu der letzteren Kategorie gehört dann ist das Buch absolut nichts für euch. Außer ihr kauft es als reines „Bilderbuch“ und ignoriert die Texte.

Denn die zahlreichen Bilder sind einfach nur toll. Es gibt die üblichen „künstlerischen“ Bilder, aber auch welche die einfach aus dem Moment heraus entstanden sind (z.B. als Bernhard seinen Hund durch ein Fenster heben musste…) und man fühlt sich ein bisschen, als wäre man dabei gewesen.

Viel zu selten sieht man „Lost Places“ Bücher aus bzw. über Deutschland. Dabei gibt es in unserem eigenen Land so viele tolle Orte zu entdecken: Diamaltwerke, Hotels, Museen… mich haben die Ausflüge begeistert und deswegen empfehle ich das Buch. Auch wenn etwa jedes zweite Kapitel nur verwirrend und ja… merkwürdig ist.

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„The Lives They Left Behind“ ist nur indirekt ein Buch über einen Lost Place und doch eines meiner Lieblingsbücher zu dem Thema.

Der Lost Place um den es geht ist das Willard State Hospital, ehemals eine psychiatrische Anstalt in den USA. Als es 1995 geschlossen wurde, wurden 400 Koffer auf dem Speicher des Gebäudes gefunden. Koffer von ehemaligen Mitarbeitern und Patienten. Koffer, die einfach nie jemand abgeholt hat.

Und da wären wir wieder bei meinem Lieblingswort: Wieso? Warum hat die Koffer keiner mehr abgeholt? Was ist mit den Menschen passiert, denen die Koffer gehört haben? Wer waren die Menschen?

Genau die Anfragen beantwortet das Buch für 10 von den 400 Koffern im Detail. Man erfährt was sich alles im Koffer befunden hat, wo die Menschen herkamen, was sie im Krankenhaus erlebt haben und was danach mit ihnen passiert ist. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hätte mir noch 39 weitere Bücher gewünscht, um auch noch die anderen Koffer öffnen zu können…

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Last, but definitiv not least, mein absolutes Lost Places Lieblingsbuch. Jedes Mal wenn ich es aufschlage, stöbere ich stundenlang durch die Bilder, obwohl ich es schon in- und auswendig kenne.

Chris Payne, der Autor bzw. Fotograf hat eine Reise quer durch Amerika gemacht und verlassene Krankenhäuser/Nervenheilanstalten fotografiert.

Dabei hat er nicht nur einzigartige Bilder geschossen, sondern auch die Atmosphäre der einzelnen Häuser mit eingefangen. Bei den meisten Lost Places reichen mir ja die Bilder, aber bei diesem Buch möchte sogar ich am liebsten durch die Seite hindurchkrabbeln und die Orte selber erleben. (Einfach mal HIER auf der Website zum Buch gucken, ihr seht direkt was ich meine. Aber Vorsicht, in das Buch kann man sich schock-verlieben…)

Auf den ersten Blick erscheint das Buch bestimmt etwas teuer, aber man kann davon einfach nicht genug bekommen und nimmt es immer und immer wieder in die Hand zum Stöbern. Und jedes Mal bekommt man wieder ein bisschen Gänsehaut. Da zahlt sich der Preis dann auch aus, finde ich.

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