„Die Sturmschwester“ von Lucinda Riley

Jan 18, 2016 | 4 von 5, Bücher, Rezensionen | 0 Kommentare

Ally, redete ich mir zu, du bist die Anführerin, reiß dich zusammen

Seit dem ersten Band „Die sieben Schwestern“ hatte ich mich eigentlich auf das Buch über Ally mit am meisten gefreut. Das Segeln, das ihre Leidenschaft ist, fand ich ultra spannend. Außerdem führen ihre Wurzeln sie nach Norwegen, was eines meiner Lieblingsländer auf der Welt ist. Was für eine Drehung die ganze Geschichte um Allys Herkunft dann nimmt, konnte ich nicht erahnen und war schwer überrascht. Positiv überrascht? Vielleicht, ja. Aber ein klein bisschen enttäuscht, aber nur ein kleines bisschen.

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„Der Wind und das Wasser, das sind die großen Leidenschaften in Allys Leben, die sie zu ihrem Beruf gemacht hat: Sie ist Seglerin und hat bei manch riskanter Regatta auf den Meeren der Welt ihren Mut unter Beweis gestellt. Eines Tages aber stirbt völlig überraschend ihr geliebter Vater Pa Salt, und Ally reist zu dem Familiensitz am Genfer See. Wie auch ihre fünf Schwestern wurde sie als kleines Mädchen von Pa Salt adoptiert und kennt ihre wahren Wurzeln nicht. Ihr Vater hinterlässt ihr aber einen rätselhaften Hinweis auf ihre Vorgeschichte – die Biographie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert, in dessen Leben die junge Sängerin Anna Landvik eine schicksalhafte Rolle spielte. Allys Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf Spurensuche in das raue Land im Norden. Sofort ist sie zutiefst fasziniert von der wilden Schönheit der Landschaft, aber auch von der betörenden Welt der Musik, die sich ihr dort eröffnet. Und als sie schließlich dem Violonisten Thom begegnet, der ihr auf unerklärliche Weise vertraut ist, fängt sie an zu ahnen, dass ihre jugendliche Liebe zur Musik kein Zufall war…“

Seitdem habe ich oft gedacht, dass ich mich, wenn Celia damals nicht gewesen wäre, in meiner Verzweiflung vielleicht von der Fähre in die brodelnde See gestürzt hätte.

Sehr gefallen hat mir aber, dass die Einleitung etwa zur gleichen Zeit spielt, wie der Anfang von „Die sieben Schwestern“. Klar, dadurch durchlebt man wahrscheinlich in jedem Buch erst Mal dieselben Szenen, aber gerade da die Schwestern alle so unterschiedlich mit dem Tod ihres Vaters umgehe, finde ich das sehr spannend und hoffe, dass es auch in den weiteren Büchern so fortgeführt wird.

Dann kam aber ein großer Teil, mit dem ich nicht so richtig was anfangen konnte und der mir auch relativ unwichtig vorkam für den weiteren Verlauf der Geschichte, und den weiteren Verlauf von Allys Leben.
„Ich bin hier, Pa“, murmelte ich, „aber wo bist du?“

Ohne zu spoilern kann ich nur so viel sagen, dass Ally an einer Segelregatta teilnimmt, sich in einen Mann verliebt und relativ viel Zeit mit ihm verbringt. Dieser ganze Teil (ungefähr die erste Hälfte des Buches) hat sich für mich unheimlich in die Länge gezogen.

Lucinda Rileys Schreibstil animiert den Leser aber dazu, dranzubleiben. Auch wenn einen die Geschichte in manchen Momenten eher weniger interessiert, schafft sie es doch dieses „Nur noch ein Kapitel“ Gefühl im Leser zu wecken. Dafür beneide ich die Autorin etwas.

Vielleicht war ich aber auch selber schuld, weil ich mich zu sehr auf die Reise nach Norwegen gefreut habe.

Die beginnt etwa mit der zweiten Hälfte, und ab hier hat mich „Die Sturmschwester“ dann richtig gepackt. Ally macht sich auf den Weg nach Norwegen, und die Rückblenden fangen an. Rückblenden in die 1870er in Norwegen, als Oslo noch Christiania hieß, aber auch nach Leipzig zu Zeiten des zweiten Weltkriegs. Wieso, weshalb, warum? Dafür müsst ihr „die Sturmschwester“ schon selber lesen.

Ich für meinen Teil, konnte das Buch in der 2. Hälfte kaum noch aus der Hand legen. Und das, obwohl ich das „große Geheimnis“ am Ende doch ziemlich früh vorausgesehen habe. Nichts desto trotz ist Lucinda Rileys Schreib- und Erzählstil einfach einzigartig, Ally meine Lieblingsschwester und „Die Sturmschwester“ eine eindeutige Leseempfehlung.

Ich freue mich jetzt schon auf das dritte Buch, die Geschichte von Star soll ein Ausflug in ein literarisches England werden, wenn das mal nicht für Bücherwürmer wie uns ist. Ich weiß jetzt schon, dass die sieben Schwestern als Reihe immer einen besonderen Platz in meinem Regal und meinem Herzen haben werden.

„Hat dein Vater dir je erklärt, warum er euch alle adoptiert hat?“ – „Ich habe Ma mal gefragt. Sie meint, er sei einsam gewesen in >Atlantis< und habe jede Menge Geld gehabt. Wir Mädchen haben nie nachgefragt und alles hingenommen, wie Kinder das eben tun. Wir waren eine Familie; einen Grund dafür brauchten wir nicht. Wir… sind einfach.“
Kann man „Die Sturmschwester“ lesen, ohne „Die sieben Schwestern“ gelesen zu haben?

Ja auf jeden Fall. Obwohl ich „Die Sturmschwester“ mehr mochte, als den ersten Band „Die sieben Schwestern“, glaube ich dass Lucinda Riley sich bei der Reihenfolge irgendetwas gedacht haben muss. Da ich euch aber garantiere, dass ihr nach „Die Sturmschwester“ sowieso unbedingt „Die sieben Schwestern“ lesen wollt, fangt doch am besten gleich mit dem richtigen Buch an. Außerdem enthält „Die Sturmschwester“ ein paar Spoiler für den Ausgang von „Die sieben Schwestern“, also Augen auf bei der Auswahl der Lesereihenfolge.


Beitragsbild von Fjmc65 @ Flickr

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Meine Bewertung: 4/5

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