Ehrengast der Buchmesse 2016 – Buchtipps und Gedanken

Okt 4, 2016 | Bücher | 0 Kommentare

Der Oktober ist hier und das bedeutet nicht nur, dass es kälter wird und es im Starbucks wieder Pumpkin Spice Latte gibt (ja, ein Klischee, aber trotzdem eines meiner Herbst Highlights) sondern es bedeutet auch, dass die Frankfurter Buchmesse vor der Tür steht.

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Vom 19. bis 23. Oktober pilgern wieder Bücherwürmer jeden Alters aus der ganzen Welt nach Frankfurt, um zu sehen was es neues (und altes) auf dem Buchmarkt gibt. Solltet ihr auch schon Hals über Kopf in den Vorbereitungen für die Pilgerreise stecken, findet ihr am Ende diesen Beitrags eine kleine Linksammlung mit hilfreichen Tipps & Tricks für die Buchmesse.

buchtipps ehrengast buchmesse 2016Da ich selbst erst einmal dort war, kann ich nicht mit eigenen Tipps & Tricks zur Messe dienen. Deswegen habe ich „nur“ ein paar Buchtipps für euch, zwei besondere Bücher aus den Ländern des diesjährigen Ehrengastes.

Ja, ihr habt richtig gelesen, Länder und nicht Land. Unter dem Motto „Dit is wat we delen“ („Dies ist, was wir teilen“) teilen sich 2016 gleich zwei Länder den Titel „Ehrengast der Frankfurter Buchmesse„: Flandern und die Niederlande.

Für mich persönlich ist das besonders spannend. Zwar klingen weit entfernte Länder wie Indonesien, Brasilien und Neuseeland als Ehrengast immer viel spektakulärer, aber überlegt mal:

Flandern und die Niederlande liegen uns so nahe. Ich selbst fahre seit ich 1 Jahr alt war jedes Jahr mindestens ein Mal nach Flandern an die belgische Küste in Urlaub. Niederländisch und Deutsch sind sich als Sprachen so ähnlich… aber was wissen wir eigentlich, über die Literatur unsere Nachbarländer? „Anne Frank“ würde wahrscheinlich jedem noch einfallen, oder Hans Christian Andersen. Aber dann? Lesen wir keine Literatur unsere Nachbarn, oder fällt es uns nur nicht auf?

palaKennt ihr zum Beispiel das Buch „Pala – Das Spiel beginnt„? Ihr habt es bestimmt schonmal irgendwo gesehen. Mir war damals nicht klar (und euch vielleicht auch nicht), dass das Buch aus dem Niederländischen übersetzt wurde. Dabei gab es eine große Werbekampagne mit allem Drum und Dran. Auch der Nachname des Autors hätte mich stutzig machen müssen, aber ich dachte damals, das muss ein holländischer Autor sein der auf Deutsch schreibt. Keine Ahnung wieso. Aber wenn nicht „Schwedenkrimi“ oder „New York Times Bestseller“ drauf steht, dann muss es doch deutsch sein… Anscheinend nicht.

Im Moment gibt es ja so Trends wie „Bewusster Essen“ und „Bewusster Leben“, aber wie wäre es denn mal mit „Bewusster Lesen“? Bewusst auch mal etwas aus den Nachbarländern lesen, oder aus den Ländern in denen man dauernd Urlaub macht. Wie oft macht man das schon, also so richtig bewusst?

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„Anlässlich des Ehrengastauftritts Flanderns und der Niederlande auf der Frankfurter Buchmesse werden allein 2016 über 250 Titel aus dem Niederländischen auf Deutsch erscheinen.“
Hoffentlich werden noch viel mehr Bücher folgen, denn die beiden, die ich mir aus den Verlagsprogrammen rausgepickt habe, haben mich positiv überrascht.

 

„Das Mädchen und der Soldat“ von Aline Sax & Ann de Bode
aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler

„Ein winziger Ort in Belgien hinter der Frontlinie während des Ersten Weltkriegs. In dem Gasthaus, in das die Soldaten kommen, lebt ein blindes kleines Mädchen. Eines Tages findet sie sich auf »ihrer« Bank neben einem Fremden wieder, einem schwarzen Soldaten, der nach gerösteten Nüssen duftet. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft… In dem kleinen Mädchen entdeckt der Soldat nichts von dem Misstrauen, das die anderen Menschen ihm, dem Schwarzen, entgegenbringen. Er fühlt sich gut in ihrer Nähe, sie hat keine Angst vor ihm… Doch eines Tages bleibt die Bank leer, und das blinde Mädchen macht sich auf die Suche nach »ihrem« Soldaten.“

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Jacoby & Stuart | GoodReads | LovelyBooks | Buchhandlung | Amazon.de

„Sie zählt die Tage und denkt nicht daran, was passieren könnte. Sie achtet nicht auf das, was die Menschen sagen. Sie reden über ihren Kopf hinweg, als wäre sie nicht nur blind, sondern auch taub.“
Viele der für die Buchmesse übersetzten Bücher handeln vom Krieg, oder spielen während eines Krieges. Das war mein erster Eindruck, als ich das komplette Ehrengast Programm überflog. Wurden die Bücher extra so ausgewählt, oder beschäftigen sich Flandern und die Niederlande noch mehr mit dem Thema und gehen damit offener um als wir Deutschen? Man merkt, wie viele Fragen der diesjährige Ehrengast bei mir aufwirbelt, ich hoffe ein paar davon auf der Buchmesse beantwortet zu bekommen.

„Das Mädchen und der Soldat“ hat auf jeden Fall jetzt schon einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die Geschichte wurde nicht nur mit viel Liebe und Verstand geschrieben, auch die Gestaltung des Buches macht es zu einem ganz besonderen kleinen Schatz.

Für das Mädchen ist es schwarze Schrift auf weißem Hintergrund, für den schwarzen Soldaten weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Das unterstützt nicht einfach nur die Perspektivwechsel, es schafft auch Atmosphäre, die ergänzt durch wunderbare Illustrationen echte Gänsehaut beim Leser hervorruft.

Wer vor der Buchmesse nur kurz mal in die Literatur des Ehrengastes reinschnuppern will, dem kann ich „Das Mädchen und der Soldat“ wärmstens empfehlen. In den 96 Seiten steckt mehr drin, als man sich vorstellen kann.

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Ausführliche Rezensionen findet ihr hier:
Katze mit Buch | Susis Lesesessel

„Der Psychopath“ von Bram Dehouck
aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer

„Sam ist anders als andere Kinder. Das merken seine Eltern früh. Während seine Mutter glaubt, der Sohn werde gemobbt, ist sein Vater Chris mehr und mehr davon überzeugt, dass mit Sam etwas nicht stimmt. Manisch sammelt er Fachartikel, die beweisen sollen, dass sein Sohn ein geborener Psychopath ist.

Als Sam eines Tages einer Katze den Bauch aufschlitzt, um nachzusehen, was sich darin verbirgt, versteift sich Chris immer mehr auf seine Theorie. Und er sieht nur eine Lösung. Eine Lösung, die ein Vater sonst nie wählen würde: Er will den eigenen Sohn umbringen …“

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btb | GoodReads | LovelyBooks | Buchhandlung | Amazon.de

„Mutter von Massenmörder FÜRCHTETE Sohn als Kind.“
Der Klappentext hat mich an meine Lieblingsserie „Dexter“ erinnert, da konnte ich einfach nicht widerstehen und was soll auf lediglich 225 Seiten schon schief gehen? (Noch so eine offene Frage: sind niederländische Bücher immer so kurz?)

Ich ging das Buch also mit geringen Erwartungen an, denn wie soll man auf 225 Seiten schon einen anständigen Thriller stricken? Doch Bram Dehouck hat mich von Seite 1 an eines Besseren belehrt. „Der Psychopath“ wird jeden Thriller-Fan (vor allem aber die, die es mal werden wollen) begeistern.

Der Schreibstil ist einfach, es liest sich schnell und flüssig, die Figuren sind fesselnd und der Aufbau der Geschichte… ist einzigartig genial. Die wenigen Seiten die das Buch hat tragen eher zur Spannung bei, als das sie etwas wegnehmen.

Selten habe ich ein Buch so verschlungen. Auch hier eine absolute Leseempfehlung von mir, ein Thriller der perfekt ist um sich auf die Buchmesse einzustellen. Hoffentlich haben die belgischen Autoren die vor Ort sind nicht alle so eine gruselige Fantasie.

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Ausführliche Rezensionen findet ihr hier:
#BeYourself | Thrillertantes Bücherblog | Drakonias Bücherwelt

Tipps & Tricks & was sonst noch so interessant ist

Meine Namensvetterin Bianca aka die Literatouristin fängt ganz vorne an und erklärt, wie man eigentlich so eine Buchmesse plant. Außerdem organisiert sie auch dieses Jahr wieder die tolle Aktion Buchbloggerbande, dank der sich Buchblogger untereinander besser erkennen und kennen lernen können.

Passend dazu erfährt man bei Philip von Book Walk wie man als Blogger zur Buchmesse kommt und welche Vorteile die Presseakkreditierung so mit sich bringt. Philip hat übrigens auch den besten Überblick, was auf der Messe so alles los ist.

Ihr solltet auch bei Lea von liberiarium mal vorbei schauen, als Carlsen Messebloggerin hat sie vor, während und nach der Buchmesse bestimmt einiges zu berichten.

Und noch ein letzter Hinweis, und um aufs Thema Ehrengast zurück zu kommen: vom 02. bis 13. Oktober findet das Blogprojekt #littripNL16 statt, bei dem Blogger und Nichtblogger mitmachen dürfen/sollen.

Lesenswert sind auch die Geschichten, die Flandern selbst zur Buchmesse zusammen trägt auf Flandern16.de – unbedingt dort mal vorbeischauen und stöbern. Da bekommt man richtig Lust auf Meer mehr.

Zu guter Letzt noch ein Tipp fürs „Bewusster Lesen“: auf Claudias Bücherregal sind ganz oft Autoren zu Gast unter dem Motto „Die Story hinter dem Buch„. Eine meiner Lieblingsbeitragsserien in der Buchblogger Welt.

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