Märchenwoche und eine Sage aus meiner Heimat

Feb 23, 2016 | Bücher | 4 Kommentare

Auf Literatouristin.org ist gestern eine tolle Märchenwoche gestartet, die ihr euch unbedingt mal anschauen solltet. Gestern ging es bei meiner Namensvetterin Bianca zum Beispiel schon um Märchen aus aller Welt, heute werden bei “das Bücherchamäleon” Märchenfiguren vorgestellt, die kein “Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage” bekamen. Denn restlichen Zeitplan der Tour findet ihr z.B. –HIER

Seit ich denken kann liebe ich Märchen, egal ob in Buch oder Film, und ganz früher sogar als Hörspielkasette. Deswegen freue ich mich auch schon riesig auf die Blogtour, mir juckt es aber auch in den Fingern euch ein Märchen bzw. eine Sage aus meiner Heimat vorzustellen. Ich hoffe das ist okay, auch wenn ich nicht zur Blogtour gehöre.

Ich komme aus einer ganz besonderen Region, wo man von Schinderhannes und Loreley, über die Nibelungensage bis hin zu Barbarossa mit ganz vielen Märchen, Sagen und Erzählungen aufwächst. Eine ganz besondere wird einem aber jedes Mal ins Gedächtnis gerufen, wenn man durch die Stadt Idar-Oberstein fährt: die Sage der Felsenkirche. Keine Kirche auf einem Fels, sondern eine Kirche hineingebaut in eine natürliche Felsnische.

eclogite-felsenkirche

Das Bild der Stadt haben viele vielleicht schon mal irgendwo gesehen, aber kennt ihr auch die Sage?

sonnentau-felsenkirche
„Einst lebten auf Burg Bosselstein, deren Ruinen noch heute über Idar-Oberstein thronen, die beiden Brüder Wyrich und Emich. Beide Ritter begehrten mit flammenden Herzen das liebreizende Burgfräulein Bertha von der nahen Lichtenburg, ohne dass der eine oder andere davon eine Ahnung hatte.

Als Wyrich, der ältere Bruder, eines Tages nicht zu Hause war, gestand das Burgfräulein Bertha dem jüngeren Bruder Emich ihre Liebe. Emich war natürlich überglücklich und verkündete seinem Bruder bei dessen Rückkehr direkt die frohe Botschaft. Doch Wyrich, voller Zorn und Eifersucht, freute sich nicht für seinen Bruder. Er stieß ihn aus einem der Burgfenster den großen Felsen hinab.

Doch es dauerte nicht lange, da bereute Wyrich, dass er seinen Bruder aus Eifersucht umgebracht hatte. Er floh auf Schlachtfelder, doch fand nirgendwo Trost. Also kehrte er zurück nach Idar-Oberstein. Das begehrte Burgfräulein war inzwischen an ihrem gebrochenen Herzen gestorben. An ihrem Grab traf Wyrich einen Abt eines Klosters, dem er die ganze traurige Geschichte erzählte. Der Abt empfohl Wyrich, eine Kirche mit eigenen Händen zu bauen, an dem Ort wo sein Bruder verstorben war. Nur dann könne Wyrich Vergebung für seine Tat finden.

Wyrich glaubte dem Abt, und begann noch am gleichen Tag mit dem Bau einer Kirche in der Felsnische, in der sein Bruder zu Tode gestürzt war. Viele Jahre gingen ins Land, doch als der Bau beendet war bat Wyrich Gott um ein Zeichen seiner Vergebung: und eine kleine Quelle entsprang dem Felsen.

Leider gab es für Wyrich kein „Und er lebte glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage„. Er starb am Tag der Einweihung der Kirche, sank einfach vor dem Altar auf den Boden und war Tod. Die Quelle aber sprudelt noch immer.


Mögt ihr Märchen und/oder Sagen?
Kanntet ihr die Felsenkirche schon, oder habt sie schon mal irgendwo gesehen? Und welche Sagen gibt es in eurer Heimat? Erzählt oder verlinkt sie mir, ich bin gespannt! 🙂

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