„Mein Herz zwischen den Zeilen“ von Samantha van Leer & Jodi Picoult

Mai 30, 2016 | 4 von 5, Bücher, Rezensionen | 0 Kommentare

Der erste Teil der Duologie (Dilogie? Wie nennt man eigentlich eine zweiteilige Reihe richtig?) hieß „Mein Herz zwischen den Zeilen“ und damals kannte ich Jodi Picoult nur vom Namen her. Ich wusste auch noch nicht, wie toll die Bücher illustriert wurden, nur dass es um Bücher und Märchen ging. Es klang einfach perfekt für Bücherwürmer wie dich und mich.

Und das war es dann auch. Obwohl ich normalerweise nicht gerne Bücher im Regal stehen habe, auf denen Gesichter von Menschen erkennbar sind, sind „Mein Herz zwischen den Zeilen“ und „Liebe ohne Punkt und Komma“ zu echten Schätzen in meiner Leseecke geworden und ich werde sie immer wieder in die Hand nehmen. Sie dürfen sich sogar ein Regalbrett mit „der unendlichen Geschichte“ teilen. Und das darf nicht einfach jedes Buch.

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ReziStempelVielen Dank an den Verlag. Meine Meinung ist aber meine eigene.

Ohne einen Leser fehlt der Geschichte etwas. Sie ist wie ein Entwurf, der nie realisiert wird; wie ein Schwimmbecken ohne Wasser. Das Fundament ist da, doch es ist nutzlos. Ohne einen Leser stehen die Wörter nur auf der Seite und warten darauf, dass die Fantasie eines Menschen sie zum Leben erweckt.

„Mein Herz zwischen den Zielen“ und „Liebe ohne Punkt und Komma“ von Samantha van Leer & Jodi Picoult

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»Hilf mir!« Delilah kann es kaum fassen, als sie diese Nachricht in ihrem Lieblingsbuch findet. Oliver, der Held der Geschichte, hat diese Worte extra für sie in den Felsen geritzt. Zuerst hält sie sich für verrückt, doch schnell stellen Delilah und Oliver fest, dass sie über die Grenzen der Buchseiten hinweg miteinander sprechen können. Und damit nicht genug: Oliver vertraut Delilah an, dass er raus möchte aus seiner Buchwelt: Das echte Leben interessiert ihn! Und sowieso findet er Delilah süß und würde sie zu gerne küssen … Und Delilah? Die hat sich schon längst in Oliver verguckt und ist begeistert von der Idee, ihn aus seiner Geschichte herauszuholen. Aber wie sollen sie es schaffen, die Grenzen zwischen ihren Welten zu überwinden?

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Meine Meinung

Wer wünscht sich das nicht? Das Lieblingsbuch aufschlagen und mit den Figuren darin richtig kommunizieren zu können. Mit Fred Weasley über Alltagssorgen Witze machen; mit Peeta Mellark flirten und ihn vor den Hunger Spielen retten, indem man immer nur die ersten paar Seiten aufschlägt; ewig mit Augustus Waters in seinem Keller Videospiele spielen; okay, okay. Ich glaube jedem von uns würde eine Figur aus einem Buch einfallen, mit der wir gerne mehr Zeit verbracht hätten, als das Buch es zulässt.

 

Delilah aus „Mein Herz zwischen den Zeilen“ bekommt diese Chance, denn Prinz Oliver aus ihrem Lieblingsbuch kann ihr nicht nur Nachrichten hinterlassen, er kann auch richtig mit ihr sprechen und möchte aus seinem Buch heraus fliehen in Delilahs Welt. Ich liebe diese Idee und Jodi Picoult hat sie mit ihrer Tochter Samantha richtig schön umgesetzt.

»Delilah«, sage ich und schlucke. »Ich glaube, ich sterbe.« »Du stirbst nicht. Du hast eins auf die Nase bekommen.« »Das müsste längst wieder verheilt sein.« »Nur in deinem Buch«, sagt Delilah. »In der realen Welt kann man nicht einfach umblättern, und schon fühlt man sich besser.« Vorsichtig fasse ich an meinen Nasenrücken und zucke zusammen. »Schade«, sage ich.

Vor allem die Teile aus dem Märchenbuch liebe ich. Heutzutage kommen mehr und mehr neue Bücher auf den Markt, aber ganz selten sind noch Märchen darunter. Dabei wärmt mir der Satz „Es war einmal…“ immer das Herz, wenn ich die Wörter in einem Buch lesen darf.

So fühlte ich mich durch das Märchen von Prinz Oliver, der eine Prinzessin retten will in meine Kindheit zurückgesetzt. Auch wenn „Mein Herz zwischen den Zeilen“ kein klassisches Märchen ist, hatte ich an den Ausschnitten aus Olivers Märchen am meisten Freude. Die Pferde, sprechende Hunde und Piraten, Drachen und Einhörner, Feen und Meerjungfrauen,… hach. Bitte mehr davon.

„Wenn eine Figur in einem Buch vorkommt, das niemand liest, gibt es sie dann überhaupt?“
»Bist du bereit?«, fragt sie. »Ich werde niemals bereit sein«, entgegne ich. Sie schließt mich fest in die Arme und vergräbt ihr Gesicht an meinem Hals. »Morgen soll es regnen«, flüstert Delilah. Verwundert löse ich mich von ihr. »Wie bitte?« »Ich möchte einfach nur, dass die letzten Worte, die ich zu dir sage, etwas ganz Normales sind. Etwas, das ich auch sagen würde, wenn ich dich morgen und übermorgen und überübermorgen wiedersehen würde.« Ich nicke ernst. »Vielleicht scheint am Mittwoch die Sonne.«
„Mein Herz zwischen den Zeilen“ ist ein tolles Buch auch für die jüngere Zielgruppe. Bei dem zweiten Teil „Liebe ohne Punkt und Komma“ sollte man aber schon etwas älter bzw. erwachsener sein. Denn wo „Mein Herz zwischen den Zeilen“ einfach nur eine fluffige Liebesgeschichte zwischen einem Prinzen und der Leserin ist, geht es in „Liebe ohne Punkt und Komma“ plötzlich um viel härtere Themen.

 

Tod, Krankheit, Depression… nur um mal eine Auflistung zu machen, falls ihr herauszufinden versucht, ob das Buch für euer Kind geeignet ist. Es geht natürlich nicht nur darum, es ist auch weiterhin lustig und fluffig, aber es geht teilweise auch sehr ans Herz und ist schwer traurig.LiebeOhnePunktUndKomma

Mich hat die Wendung bzw. dass die Geschichte erwachsener wurde positiv überrascht. Ich hatte den zweiten Teil mit der Erwartung angefangen, erneut etwas locker luftiges für zwischendurch zu lesen. Dass es dann doch ein so runder und tiefgründiger Roman geworden ist, macht die Duologie zu einem noch größeren Schatz im Regal.

Aber ich kann nicht antworten, denn beim Blick in sein Gesicht sehe ich es: das schwarze Rinnsal aus seiner Nase, die Flecken auf seinem weißen T-Shirt. »Oliver«, flüstere ich. »Du verlierst Tinte.«

Ich kann euch die Reihe nur ans Herz legen und ihr solltet die beiden mit viel Liebe gestalteten Bücher nicht in eurem Regal missen wollen. Jodi Picoult und ihre Tochter Samantha van Leer haben ein besonderes Abenteuer für junge und alte Bücherwürmer geschaffen. Sich in eine Figur aus einem Buch zu verlieben wird ab jetzt immer eine etwas andere Bedeutung haben.

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Meine Bewertung: 4/5

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