„Rückkehr der Wölfe“ von Eckhard Fuhr

Jul 29, 2016 | 4 von 5, Bücher, Rezensionen | 0 Kommentare

Überall wimmelt es von Wölfen in Deutschland. Zumindest hat man beim Zeitung lesen bzw. auf Facebook das Gefühl, dass dem so ist. Natürlich meine ich damit nicht die freien bzw. wilden Wölfe, die sind noch nicht so weit verbreitet. Noch nicht.

Nein, ich meine Wolfgehege und Wildparks, die wichtige Aufklärungsarbeit betreiben und versuchen Wolf und Mensch wieder näher zusammen zu bringen. Jeder denkt bei „Wolf“ direkt an Rotkäppchen und das Bild vom „großen bösen Wolf“, der kleine Kinder und Großmütter verspeist. Aber, vom Märchen vom Rotkäppchen gibt es (wie so oft bei den Märchen der Gebrüder Grimm) mehrere Versionen.

In der Version die jeder von uns kennt, weiß das Rotkäppchen nicht was ein Wolf ist. Sie hat deswegen keine Angst und erzählt dem Wolf wo die Großmutter wohnt. In einer anderen, viel älteren Version, kennt das Rotkäppchen Wölfe und anstatt mit dem Wolf zu reden, rennt sie schnell zur Großmutter und die beiden überlisten den Wolf. Sie werden nicht gefressen. Das heißt also, wissen ist besser als nicht-wissen. Das sollten auch wir uns zu Herzen nehmen, jetzt wo die wilden Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind und sich hier immer mehr ausbreiten.

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Vielen Dank an den Verlag. Meine Meinung ist aber meine eigene.

„Rückkehr der Wölfe“ von Eckhard Fuhr

„Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Wie der mythische Heimkehrer Ängste und Hoffnungen auslöst

150 Jahre lang waren Wölfe in Mitteleuropa ausgerottet. Doch seit der Jahrtausendwende ist Deutschland wieder Wolfsland, und in ganz Europa erobern Wölfe mit stürmischem Elan angestammte Lebensräume zurück. Der Wolf ist zum politischen und medialen Mega-Star geworden.

Eckhard Fuhr berichtet über die neue Konkurrenz für die Jäger und die Not der Schäfer, ihre Herde zu schützen, ebenso wie über das mythologisch gegründete Bild des Wolfs in der Volksseele. So entsteht ein umfassendes Bild des Problems, und es wird deutlich, dass wir uns nicht nur mit der physischen Präsenz der Wölfe auseinandersetzen müssen. Die größere Herausforderung ist die mentale: zuzulassen, dass in unserem durchorganisierten und gut kontrollierten mitteleuropäischen Biotop die wilde Natur immer noch mächtig ist.“

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Meine Meinung

Mein Lieblingszitat aus dem Buch zu dem Thema „Rückkehr der Wölfe“:

Immer wieder werden wir dem Begriff >>Wolfsmanagement<< begegnen. Der bedeutet nicht, dass irgendetwas mit den Wölfen angestellt werden muss. Die Wölfe kommen allein zurecht. Wir müssen sie nur in Ruhe lassen. Wolfsmanagement ist Menschenmanagement.
Viele denken so, denn für viele ist das Thema weit weg. Es gibt bisher nur relativ wenige Wölfe in Deutschland, ihre Verbreitung beschränkt sich bisher auf den Nordosten und die Lüneburger Heide. Die Wahrscheinlichkeit einem Wolf zu begegnen ist in Deutschland eher gering. Im Gegensatz zu der vermutlich sogar viel gefährlichen Begegnung mit einer Bache, also einem weiblichen Wildschwein, mit Frischlingen.

MerzigWoelfeWarum also die ganze Aufregung um die Rückkehr der Wölfe? Das beleuchtet Eckhard Fuhr in seinem Buch von allen Seiten. Er spricht mit Bauern, deren Schafe von Wölfen gerissen wurde. Fuhr ist selber Jäger, hat einen Hund um den er sich sorgen machen muss wenn er frei im Wald herum läuft. Trotzdem will er, dass die Wölfe nach Deutschland zurück kehren und hier in Frieden leben dürfen. Genau das macht das Buch so interessant. Er kennt und beleuchtet beide Seiten der Diskussion.

Ein Schafszaun, der Wölfe draußen halten soll, ist nun einmal sehr viel aufwändiger als einer, der die Schafe nur drinnen halten soll.
Leider schweift er manchmal zu sehr vom Thema ab. Die Analyse von Filmen, zum Beispiel „The Grey – Unter Wölfen“ mit Liam Neeson, mag einen berechtigten Platz in einem Buch über Wölfe haben. Doch bei der Erläuterung der kompletten Handlung gehen die wirklich wichtigen Informationen über die Wölfe fast im Redeschwall unter.

Nichtsdestotrotz ist „Die Rückkehr der Wölfe“ auf jeden Fall ein Buch, das man gelesen haben sollte wenn man sich mit Wölfen beschäftigen will. Es ist informativ, greift viele verschiedenen Meinungen auf und beleuchtet den Wolf und vor allem die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland von allen Seiten sehr ausführlich. Fuhr wagt auch einen Blick in andere Länder und man erfährt, dass ein Zusammenleben von Mensch und Wolf nicht nur möglich ist, sondern auch viele Vorteile bringen kann.

MerzigWoelfe2Das Thema Mensch und Wolf ist gerade in Deutschland so aktuell wie nie zuvor. Immer wieder werden auch weit außerhalb von Sachsen einzelne Wölfe gesichtet, die wahrscheinlich auf der Suche nach neuen Revieren sind. Leider werden aber auch immer wieder Wölfe erschossen. Ob aus Unwissenheit oder Bosheit sei jetzt einfach mal dahingestellt. Manche müssen erschossen werden, weil sie von Menschen angefüttert oder wie Hunde behandelt werden und den Respekt vor den Menschen verlieren. Erst dann sind die Wölfe für uns richtig gefährlich.

Wir müssen unbedingt vermeiden, dass uns die Wölfe für gute Freunde halten. Die meisten Deutschen freuen sich über die Heimkehrer. Aber das darf nicht dazu führen, dass man sie die Spielregeln bestimmen lässt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in eurer Umgebung wieder wilde Wölfe leben. Wollt ihr dann nicht lieber das Rotkäppchen sein, das den großen bösen Wolf überlistet? Dieses kleine Buch zu lesen wäre immerhin schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Wissen ist besser als nicht-wissen.

 

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Meine Bewertung: 4/5

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