Wandern an der Alpspitze (Nesselwang, Allgäu) – oder wie wir uns mal wieder überschätzten…

Jun 20, 2015 | Unterwegs, Wandern | 0 Kommentare

Während unseres Allgäu Urlaubs im Mai 2015 hatten wir uns für eine etwas anstrengende Wanderung an der Alpspitze entschieden. Da waren wir schon Mal, den Wasserfallweg kannten wir und konnten gut einschätzen, dass wir danach noch eine kleine Wanderung schaffen, auf dem Berg oder vom Berg wieder runter. Naja, knapp daneben geschätzt.

alpspitze-vorherrfoto Informiert hatten wir uns (wie immer) nicht wirklich. Ich muss aber sagen, dass es dazu im Internet auch nicht viele Informationen gibt. Im Nachhinein habe ich gerade nur diese Seite gefunden, die für unsere Zusammenstellung ca. 3-4 Stunden Wanderung veranschlagt. Das mag zwar stimmen, aber Hinweise aufs Profil, Steigung, Schwierigkeit etc… wären schon schön gewesen. Nicht dass uns das abgehalten hätte, aber ich hätte weniger geschimpft unterwegs.

Egal. Wir starteten an der Talstation der Alpspitzbahn, und suchten uns dort an der Wanderkarte die dort aushing eine Route zusammen:

3km bergauf über den Wasserfallweg, geschätzte 4-5 bergab durch die Höllschlucht, der gerade Weg zurück zum Parkplatz schaffen wir dann noch mit links. Dachten wir. Dass wir uns dort unten verlaufen, war ja nicht geplant.

Talstation > Wasserfallweg > Mittelstation

Erste Lektion die ich gelernt habe: vertraue niemals einem Wegweiser, auf dem keine Zeitangabe steht! Und rot ist nicht gleich rot, und gelb nicht gleich gelb. Aber über diese sinnfreie Farbgebung könnte ich mich noch lange aufregen, wenn ich mal anfange. Liebes Allgäu, mehr Farbabstufungen, oder genauere Hinweise bitte! Damit wäre uns oft schon geholfen, wenn wir uns überschätzen…

An den Wasserfall, der dem langen Weg seinen Namen gibt, gelangt man dort unten relativ schnell. Wenn man also mit Kindern unterwegs ist, kann man durchaus vom Parkplatz aus mal schnell den Wasserfall gucken gehen. Der Weg bis dorthin ist breit, gut befestigt und steigt nur ganz leicht an.

Die Treppe rechts vom Wasserfall ist dann aber schon die erste Herausforderung. Hier sollte man vor allem schwindelfrei sein, feste Schuhe an haben und sich ein bisschen die Kondition einteilen. Vor allem sollte man hier und auf dem Rest vom Weg Vertrauen in von Menschenhand gebaute Holzbrücken haben, und sich gut festhalten.

Gut ist, dass hier nicht viele Menschen unterwegs sind. Zwei kamen uns diesmal entgegen, in den 2 Stunden die wir unterwegs waren. So kann man die Ruhe genießen, und außerdem sieht niemand wie man verschwitzt mit der eigenen Ausdauer und Überwindung kämpft. („A fear of heights is illogical. A fear of falling, on the other hand, is prudent and evolutionary.“ – Sheldon Cooper 😉 )

Nach ca. der Hälfte oder 3/4 des Weges lässt man den Fluss und die vielen Brücken hinter sich. Der Weg führt dann durch den Wald. Das Wort „Weg“ werde ich in diesem Beitrag noch ein paar Mal für Streckenabschnitte benutzen, die zwar als „Weg“ ausgeschildert waren, vielleicht ja sogar mal als Weg angelegt waren, die sich der Wald oder der Berg mittlerweile aber wieder zurück erobert hat. Zum Beispiel die Wurzel-„Treppe“ auf die man am Ende des Wasserfallweges trifft. Hier kommt man definitiv nur mit festem Schuhwerk, viel Geschick und einer guten Balance weiter nach oben. Als wir beim ersten Mal diesem Stück begegnet sind, waren wir uns nicht mal sicher, ob das noch „Weg“ ist, oder wir besser umkehren sollten. Aber diesmal wussten wir, es geht weiter. Immer weiter nach oben.

Dach ist es dann garnicht mehr weit, und man begegnet auch wieder anderen Menschen. Zivilisation, und die Chance für eine kurze Pause an der Mittelstation. Leider hatte die Gaststätte im Mai noch nicht geöffnet, sodass wir wirklich nur kurz pausierten, die öffentlichen Toiletten benutzten und dann weiter gingen.

Mittelstation > Berglodge

Schließlich waren es laut Schild nur 40 Minuten bis zur Gaststätte an der Bergstation. 40 Minuten bis zur Käseplatte. Bekommen wir doch locker hin. Ihr denkt es euch bestimmt schon, so locker war das nicht. Zumindest für mich nicht, mein Wander-Partner hatte weniger Probleme mit der Steigung als ich. Denn überraschenderweise hieß bei dieser Markierung rot wirklich rot, und es ging steil bergauf. Ich hatte dabei echt Probleme, mit den Beinen, meiner Kondition, und vor allem der Motivation. Es hilft, wenn einen Leute überholen, die mindestens 3 Mal so alt sind, aber problemlos den Berg hoch spazieren. Außerdem motiviert auch die Aussicht. Aber die „40 Minuten“ sollte man nicht unterschätzen. Seltsamerweise haben wir genau 40 Minuten gebraucht, aber es waren schmerzhafte 40 Minuten, voller Geschnauffe und Schimpferei. Geht die Strecke langsamer an, vielleicht klappt es dann einfacher.

Oben angekommen war das anstrengendste Stück der ganzen Tour geschafft, schließlich sollte es ja nur noch bergauf gehen… ähm naja. Wie man sieht war ich genauso „geschafft“, aber happy über den fantastischen Ausblick, und voller Vorfreude auf die Käseplatte in der Berglodge bzw. dem Sportheim Böck. Nur leider gab es keine Käseplatte. 🙁 Dafür war der Kaiserschmarrn super lecker!

Übrigens konnte man hier ca. 20km weit gucken, sogar das Schloss Neuschwanstein hinter Füssen konnte man erkennen. Hach, ich liebe die Berge! Für so einen Ausblick, quäle ich mich gerne steil bergauf. 🙂

Frisch gestärkt und wieder besserer Laune, verließen wir die Straße auf dem Weg nach unten um über die Kappeler Alp zur Höllschlucht zu gelangen.

Berglodge > Höllschlucht > Kappel

Der Anfag dieses Abschnitts war super. Die Aussicht wurde immer schöner, der Weg war breit und befestigt. Und ein Gipfelkreuz für lustiges posieren für Beweisfotos gab es auch noch. Bis hier hin waren auch wieder andere Leute mit uns unterwegs. Das die kurz vor dem „Wiesenweg“ wieder umgedreht sind, hätte uns doch zu denken geben sollen.

Aber wenn wir mal unterwegs sind, sind wir nicht zu halten. Wie oben schon mal erwähnt, umdrehen wäre ärgerlich. Also stiegen wir den „Wiesenweg“ hinab. Hier auch wieder, „Weg“ meint nicht unbedingt wirklich „Weg“ aber es war ausgeschildert, zur Not hätte man können auf dem Popo runterrutschen und es führte an unser Ziel. Teilweise macht man sich da schon echt Sorgen, aber wenn man es geschafft hat, war es einfach ein tolles Erlebnis, sowas mal gemacht zu haben.

Aber, aufpassen! Hier zu stürzen und den Berg runterzukullern wäre alles andere als lustig oder ein Erlebnis. Feste Schuhe anziehen, sich Schritte genau überlegen und aufpassen wo man hintritt. Ansonsten bitte wieder umdrehen, denn es wird nicht einfacher! Sobald man nach dem „Wiesenweg“ nämlich den Wald erreicht, führt eine Wurzeltreppe steil bergab. Hier gibt es zwar ein Geländer, aber ich konnte mich eher selten daran festhalten, weil der Weg zu verwachsen war, und überall Bäume und Wurzeln im Weg waren.

Diese Stelle und auch das Stück danach sind richtig gefährlich, und sollten meiner Meinung nach anders ausgewiesen werden, als nur mit einer roten Wegmarke. Hätte ich einen Pulsmesser dabei gehabt, hätte der bestimmt am laufenden Band gepiept, alleine durch die Angst zu stürzen. Dabei trägt ein hoher Puls bestimmt auch nicht dazu bei, dass jeder Schritt gut überlegt ist.

Wisst ihr was denn Puls dann aber doch ganz gut beruhigt? Ein Wasserfall! Und ein richtiger schöner noch dazu. In dem Moment ist man dann auch wieder froh, die ganzen Strapazen auf sich genommen zu haben. Denn hier kommt eher selten jemand vorbei, vor allem keine typischen „Touristen“.

Wieder besser gelaunt (so langsam ergibt sich ein Muster, oder? Ich quäle mich durch Anstrengung und Angst, dafür gibt es dann aber auch immer eine Belohnung) ging es dann weiter flussabwärts durch die Höllschlucht. Der „Weg“ ist immer noch etwas holprig, aber lange nicht mehr so gefährlich wie weiter oben noch.

Und dann, und dann… war da auf einmal ein Grenzpunkt, und ein Krokodil! Aaah… wie schlimm hatten wir uns denn verlaufen?

Es war natürlich kein echtes Krokodil! Puuh… In Kappel gibt es einen 3D Bogenschießen-Parcours für Kids.  Mit vielen durchlöcherten Tieren. Fand ich eine super Idee, hätte mir bestimmt als Kind auch Spaß gemacht.

Angekommen in Kappel haben wir uns wieder von einem Schild täuschen, auf dem „Nesselwang, 1h“ stand.

Kappel > Nesselwang > Alpspitze Talstation

Aber diesmal waren wir auch ein bisschen selber Schuld. Anstatt weiter dem Wald zu folgen, bogen wir rechts ab und fanden uns auf ein Mal am Ortseingang von Nesselwang wieder. Ob falsch oder garnicht beschildert war, weiß ich jetzt nicht mehr. Dafür waren wir vielleicht auch einach zu erschöpft. Aber wenn an der Kreuzung ein Schild gestanden hätte „Alpspitzbahn“, dann wären wir dem bestimmt gefolgt.

Stattdessen liefen wir eine gute, unangenehme Stunde verschwitzt und mit hoch rotem Kopf durch die Stadt, genervt weil wir uns verlaufen hatten. Naja, passiert halt auch mal.

Aber egal, die Wanderung hat Spaß gemacht, wir haben einiges gesehen und einige Abenteuer erlebt. Abseits der üblichen Wege ist es eben doch am schönsten. 🙂

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